Hallo Welt!

Er, ich, David Bowie und Elvis Presley haben am gleichen Tag Geburtstag.

Er, ich, David Bowie und Elvis Presley haben am gleichen Tag Geburtstag.

Ich habe es bisher vermieden, öffentlich in Erscheinung zu treten. Nun aber habe ich entschieden, meinen vor zwei Jahren begonnenen und dann sofort wieder verwaisten Blog über die Geschichte und Gegenwart des Kernwaffenproblems zu reaktivieren. Ich werde auch die Spam-Filter der Kommentarfunktion erneuern, die es mir bisher erschwerten, mit meinen Lesern zu kommunizieren. Und sogar bei Facebook bin ich seit Beginn des Jahres 2017 zu finden. Ich weiss aber noch nicht, wie intensiv ich es nutzen werde. Ich mag es eigentlich nicht besonders.

Die Gründe für mein Auftauchen aus der Versenkung sind vielfältig. Der naheliegendste ist das Erscheinen meines Buches über die Geschichte der Atomtests zur Frühjahrsbuchmesse 2017, das auch von einigen Lesungen flankiert werden wird. Im Open House Verlag habe ich endlich den mutigen, ambitionierten und zugleich professionellen Verlag gefunden, nach dem ich zwei Jahre lang gesucht habe. Die Überraschung war gross, denn ich habe, unterstützt von meiner leider verstorbenen Agentin Susan Bindermann und meiner fantastischen neuen Agentin Kristine Listau im ganzen Land gesucht, nur nicht vor der eigenen Haustüre. Rainer Hoeltschl und Christiane Lang arbeiten im einzigen pariserisch anmutenden Appartmenthaus im Leipziger Musikviertel, fast in Sichtweite der Biblioteca Albertina, wo ich grosse Teile des Buches schrieb, und nur wenige Schritte von meiner Wohnung entfernt. Ich muss nur durch den Clarapark spazieren, schon bin ich dort. So ist das in Leipzig. Einfach und schön.

Das Thema des Buches ist keines, über das man Spässe treibt. Es beinhaltet erhebliche Spielräume für Missverständnisse und Halbwahrheiten. Und es ist für einen Verlag sehr schwierig bis unmöglich, jede meiner Quellen und Thesen einer Überprüfung zu unterziehen. Der Grund ist die komplizierte naturwissenschaftliche Grundlage, die politische Brisanz und natürlich der Weitwinkel, mit dem ich geschrieben habe. Zwar konzentriere ich mich weitgehend auf die technologischen Aspekte, nämlich die Praxis der rund 2000 bis heute durchgeführten Atomtests mit ihren oftmals bizarren Details. Eine solche Erzählung berührt jedoch notwendigerweise das Thema der Nuklear- und damit auch Sicherheitspolitik und zwar sämtlicher Atomstaaten von 1945 bis zur Gegenwart.

Ich wählte diesen Weitwinkel, weil ich es es konnte. Ich kann mich als unabhängig forschender Experte am leichtesten der fortschreitenden und im Institutsrahmen auch notwendigen Spezialisierung entgegenstemmen. Und ich möchte zeigen, welches Synthese- und Vermittlungspotential diese umfassende Betrachtungsweise beinhaltet. Sie ermöglichte mir persönlich ein neues Verständnis des Kalten Krieges, einen neuen Blick auf das Problem des Wettrüstens, den mir die Fachliteratur nicht bot. Dieser neue Blick hat weitreichende Implikationen für die Gegenwart.

Diese Publikation erfordert umso grösseren Mut, als ich zwar mit den notwendigen akademischen Weihen ausgestattet, aber komplett unbekannt bin. Dafür danke ich Open House, die es tun, weil sie es als ebenfalls unabhängig denkender und arbeitender Verlag tun können.

Die weiteren Gründe für mein “Coming-out” sind externer Natur und zu zahlreich, um sie hier aufzuzählen. Wer regelmässig Zeitung liest (ja genau, dieses altmodische Analogmedium, das ich wegen seinem eingebauten Fake-Filter sehr empfehlen kann), wird es bereits mitbekommen haben: The house is in motion. Die Weltordnung ist möglicherweise im Umbruch und damit auch unsere “Sicherheitsarchitektur”. Ich habe dieses etwas hochtrabende Wort, das vor rund einem Jahrzehnt in Mode kam, nie besonders gemocht. Mittlerweile wünschte ich mir, dass ich es noch oft hören werde. Ein Haus, dessen Pfeiler aus Raketen und dessen Wände aus Vertragspapier bestehen, ist mir immer noch lieber als der Trümmerhaufen, in den es sich rasch verwandeln könnte.

Mehr dazu bald. Es ist mir jedenfalls eine Ehre, nachdem ich mich intensiv und auch gerade hier in diesem Blog mit der bundesdeutschen Nukleargeschichte beschäftigt habe, den Zeitpunkt zu verkünden, an dem ernstzunehmende Meinungsführer in Deutschland zum ersten Mal seit den Tagen von Konrad Adenauer und Franz-Josef Strauss wieder offen über die Notwendigkeit einer deutschen Atomstreitmacht sinnieren. Ich freue mich auf diese absurde Debatte, die exakt mit dem Erscheinen meines Buches zusammenfallen könnte, und auf andere Debatten, die 2017 ins Haus stehen werden. Es ist, als hätte ich es immer geahnt.

Es war nie vorbei.

Friede sei mit Euch,

Sven Hannes

 

 

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